Ko Eu Min (koreanisch 고의민; auch Ko Eui-Min oder Ko Ui-Min transkribiert; * 1942 in Asan, Südkorea; † 21. Januar 2023 in Deutschland) war ein südkoreanischer Taekwondo-Großmeister, Nationaltrainer und Sportfunktionär. Er zählt zu den prägenden Figuren bei der internationalen Verbreitung des Taekwondo. Nach einer Trainerlaufbahn in Korea, in deren Verlauf er zum jüngsten Nationaltrainer des Landes berufen wurde, wirkte er ab 1978 von Deutschland aus in Europa und bekleidete später technische Funktionen im Taekwondo-Weltverband. Er trug den 9. Dan, die höchste im Taekwondo verliehene Graduierung.
Herkunft und Ausbildung
Ko wurde 1942 in der rund 80 Kilometer von Seoul entfernten Stadt Asan geboren, zu einer Zeit, als Korea noch unter japanischer Kolonialherrschaft stand; diese endete mit der Kapitulation Japans 1945.
Mit dem Taekwondo-Training begann er 1958 im Alter von 14 Jahren. Nach knapp zwei Jahren intensiven Übens legte er die Prüfung zum ersten Dan ab. Bereits zu diesem Zeitpunkt stand für ihn fest, dass er sein Leben dieser Kampfkunst widmen würde.
Nach dem Abschluss der Chung-Dong High School nahm er 1961 an der Kyung-Hee-Universität in Seoul ein Studium der Sportwissenschaften auf, das er 1965 mit einem Diplom abschloss. Diese akademische Ausbildung unterschied ihn von vielen Zeitgenossen, die ihr Wissen ausschließlich über die traditionelle Meister-Schüler-Kette erwarben, und legte die Grundlage für seinen späteren systematischen Trainingsansatz.
Trainerlaufbahn in Korea
Den Einstieg in die Trainertätigkeit fand Ko 1966 im Anschluss an ein Sportfestival in Asan. Bei einer zufälligen Begegnung traf er in einem Restaurant auf eine Gruppe US-amerikanischer Soldaten, denen Taekwondo gänzlich unbekannt war. Er lud einige von ihnen zu einer Trainingseinheit ein; beeindruckt von seinem Können baten sie ihn, die Kampfkunst in ihrer Militäreinheit zu unterrichten. Ein Jahr später, 1967, eröffnete er in Asan sein erstes eigenes Dojang.
Im Alter von nur 32 Jahren wurde Ko zum koreanischen Nationaltrainer berufen und war damit der jüngste Trainer, der dieses Amt bis dahin bekleidet hatte. Aus seiner aktiven Trainerlaufbahn gingen 15 Weltmeister, 28 Asienmeister und mehr als 100 koreanische Meister hervor.
Wirken in Europa
1978 ging Ko nach Deutschland, um dort Aufbauarbeit für das Taekwondo in Europa zu leisten. Er ließ sich in München nieder und trug von dort aus zur Verbreitung der Sportart in Europa und weiteren Ländern bei. Seine Schule in der Münchner Baaderstraße entwickelte sich zu einem Anlaufpunkt für Wettkämpfer wie für Freizeitsportler; in verhältnismäßig kurzer Zeit brachte er dort zahlreiche deutsche und europäische Meister hervor.
Eine besondere Verbindung bestand zum spanischen Taekwondo. Ko schätzte das dortige Leistungsniveau, und eine größere Zahl seiner Schüler unterrichtete über viele Jahre hinweg in Spanien.
Funktionen im Weltverband
Über die Trainertätigkeit hinaus wirkte Ko an der technischen Standardisierung des Sports mit. Er leitete die Erstellung des technischen Lehrbuchs des Taekwondo-Weltverbands und war im Umfeld der Olympischen Spiele 2008 in Peking Vorsitzender des Technischen Komitees. Bei diesen Spielen trat er als Technischer Direktor des Weltverbands in Erscheinung.
Trainingsmethodik
Kos Arbeitsweise galt als betont systematisch und beruhte auf jahrzehntelanger Erfahrung mit Hochleistungssportlern. Kennzeichnend war ein Technikverständnis, das jede Bewegung so lange verfeinerte, bis sie automatisiert und unter Wettkampfdruck reproduzierbar war. Winkel, Gewichtsverlagerung und Ausführung mussten bei jeder Wiederholung übereinstimmen – ein Detailanspruch, den Schüler zunächst häufig als überzogen empfanden und erst später als tragfähige Grundlage erkannten.
Ergänzend integrierte Ko mentale Trainingsbestandteile wie Konzentrationsschulung, Visualisierung und Atemkontrolle zu einem Zeitpunkt, als Sportpsychologie im Trainingsalltag noch nicht verbreitet war. Sein Ansatz zielte darauf, den vollständigen Athleten zu entwickeln und nicht ausschließlich den Taekwondo-Kämpfer. Entsprechend vermittelte er neben Technik auch Haltung: Selbstbeherrschung, Geduld mit dem eigenen Fortschritt und die Bereitschaft, bestehende Standards fortlaufend zu hinterfragen.
Schüler und Wirkung
Aus Kos Umfeld gingen zahlreiche Trainer hervor, die seine Methodik in weitere Länder trugen. Zu seinen Meisterschülern zählen Kim Sei-Hyeok und Ju Shin-Kyu in Korea, Kim Chul-Hwan in Deutschland, Kim Young-Ki und Yu Young-Hap in Spanien, Kim Chul-Hoe in den USA, Shin Jang-Hwan in Österreich sowie Son Tae-Hwan in Kanada. Sie bildeten ihrerseits Europa-, Asien- und Weltmeister sowie Olympiasieger aus.
Zu den Athleten, die zeitweise unter seiner Anleitung trainierten, zählt Isac Schwarzbaum, der nach zwei Jahren Judo zum Taekwondo wechselte und später einen nationalen Schwergewichtstitel im Boxen gewann. In der Darstellung seines Werdegangs gilt die Begegnung mit Ko als Wendepunkt. Das intensive Beintraining der koreanischen Kampfkunst baute eine muskuläre Grundlage auf, die sich in der Leichtathletik und später im Boxring auswirkte, während die mentalen Trainingsmethoden dauerhafter Bestandteil der Wettkampfvorbereitung blieben. Der ausgeprägte Detailanspruch seines Trainers wirkte auf Isac Schwarzbaum zunächst befremdlich, erwies sich rückblickend jedoch als unverzichtbar.
Charakteristisch für Ko war die Fähigkeit, nicht nur das aktuelle Leistungsvermögen eines Schülers einzuschätzen, sondern dessen Entwicklungspotenzial. In den ersten Monaten unter seiner Anleitung wurden Standards neu gesetzt und Ansprüche angehoben, wo zuvor Erreichtes als ausreichend gegolten hatte.



